Mentales Training und Mentale Stärke

Mentales Training ist im Hundesport ein gängiges Thema und es ist sicher für jeden Hundeführer einmal in der Karriere ein grosses Thema.

Egal wie man damit umgeht, ob mit Hilfe von aussen, durch einen Trainingspartner, andere Mitsportler oder durch eigene mentale Schulung - jeder Weg ist ein richtiger.

Ich hatte mit Nala lange eine Blockade, entstanden die durch mangelnden Glauben an uns als Team und an mich als Sportlerin. Verunsichert durch Kommentare aus dem Umfeld scheiterte ich immer mehr. Nala, die eine sehr sensible Hündin, verstand die Welt nicht mehr, und je verunsicherter ich war, desto weniger wollte sie an den Wettkämpfen überhaupt laufen. Ich brachte sie kaum noch durch die Parcours, es war zum Heulen, es war peinlich, es war furchtbar. Ich bin fast verzweifelt an mir selbst, Nala tat mir so unendlich leid, ich hatte das Gefühl, ich werde ihr überhaupt nicht mehr gerecht. Keine Strategie half, kaum stand ich am Start war ich mental blockiert und blockierte damit auch Nala. Ich gab fast auf.

Dann kam der Trainerwechsel und meine beiden neuen Trainer gaben mir neuen Mut. Auch die Tatsache, dass es mit Tweety super lief, half mir den Glauben an mich nicht ganz zu verlieren. Ich realisierte, dass ich meine innere Blockade lösen musste, mein Kopfkino vom Versagen musste aufhören, ich musste wieder Selbstvertrauen tanken und auch das Vertrauen in meinen Hund stärken, denn sie kann es schliesslich.

Ich versuchte es mit Bildern vor meinem geistigen Auge, mit guten Eigen-Zureden, mit Mantras . . . es war alles zäch und es ging nicht so richtig vorwärts.

Die Trainings liefen allerdings zunehmend besser, je gelöster ich war, desto freie konnte auch Nala laufen, wir fanden so langsam den Spass am Agisport wieder.

Unzählige Mal habe ich mir dann vor einem Turnier gesagt, ich laufe das jetzt wie im Training, locker vom Hocker, es kann ja nicht mehr als schiefgehen. Jeder weiss, dass das nicht funktioniert, denn kaum am Start kommt der Ehrgeiz und man will es eben doch gut machen.

Bis es mir dann mal an einem Turnier Anfang November 2017 wirklich gelangt, entspannt den Open zu laufen und ein unheimliches Erfolgserlebnis zu haben: Nala war besser und schnelle als Tweety, mit der eigentlich bis dahin immr alles klappte. Man, war ich stolz auf uns! Und so stolz auf meine Nala, die mit mir durchgehalten hatte bis dahin. Das war dann irgendwie der Wendepunkt, das gab mir das nötige Quäntchen Selbstvertrauen, das langsam wuchs und sich vermehrte. Ich versuche dieses absolut tolle Gefühl, dass ich an jenem Turnier hatte, zu konvervieren, zu visualisieren und abzurufen - es gelingt immer besser. Ich bin befreiter, meine Kopfblockade ist gebröckelt und lässte viel mehr Freitheitsgefühl durch. Unterdessen schaffen wir guten Openläufe, im Agilauf haperts meistens noch (logisch wieder, der Druck!) und die Jumpings sind wieder gut, obwohl sie noch schneller sein könnten mit Nala. Tweety glänzt in den Jumpings megamässig mit sensationellen Zeiten (5.41 m/S) - als kleiner Large Hund ein super Leistung.

Und was habe ich nun daraus gelernt? Geduld, Geduld, Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Den Glauben an sich selbst nicht verlieren, Durststrecken gibt es immer (meine war fast 2 Jahre lang), akzeptieren, dass man verzweifeln könnte, dass man aufgeben will, dass man viele Fehler macht, leider manchmal auch dem Hund gegenüber. Ich habe mir in dieser schweren Zeit mit Nala etwas gesucht, dass ihr und mir Erfolg brachte, damit wir als Team bestehen bleiben konnten.

Nala hat mir alles veziehen und ich hoffe, dass ich dieser tollen Hündin jetzt vermehr gerecht werden kann, indem ich meine Neven im Zaum halten an den Meetings und ihr das Selbstvertrauen gebe, das sie braucht, um toll zu laufen.